Das alte Wegenetz im Gebiet zwischen Isonzo und Timavo

Kartographie: Alfio Scarpa

Die römische Brücke in Ronchi

Die römische Brücke in Ronchi (C) war Teil eines weiten Sanierungsplans der ursprünglichen in Sumpfland liegenden Straßenverbindung „Obere Adria“ zwischen Osten und Westen, die zu der Zeit der Durchführung des konsularischen Wegs „VIA POSTUMIA“ errichtet wurde. Seine wenigen gefundenen Steinüberreste, wie Grabverzierungen mit Frieses und Basreliefs, gehören zu nachfolgenden Anbringungen. Die Brücke wurde errichtet, um einen alten Pass zwischen zwei Anhöhen des Karsts zu überqueren, die heute als Villa Hinke im Westen und Zochet im Osten bekannt sind. Diese Orte wurden von dem Hochwasser umspült, das einen alten karstigen Ableger des Flusses Isonzo Wasser zuführte. Nördlich des Gebiets von San Pier flossen diese Wasser aus dem linken nicht eingedämmten Ufer des Flusses Isonzo über, dann bogen sie in die karstigen Abhänge von Redipuglia, Vermegliano, Selz und kamen danach zu der römischen Brücke in Ronchi. Entlang dem Weg wurden diese Wasser auch mit den unterirdischen Einbrüchen des Vipacco Wassers, des Doberdò-Sees und Mucille aufgefüllt. Dann ergossen sie sich auf das Tal vor der Zone „Zochet“ und schließlich verfloss es sich in verschiedene Richtungen (Friedhof von Ronchi, Staranzano, Krankenhaus von Monfalcone). Normalerweise charakterisierte die Anwesenheit von niedrigem und stillstehendem Wasser den alten Pass von Selz, sodass er auch vor der Errichtung der Brücke leicht passierbar war. Die Brücke bestand aus fünf steinernen Arkaden, die eine Länge von 150 Meter (Schätzung von P. Kandler) bis 340 Meter hatten (Schätzung von C. Gregorutti), und war nach dem inneren Tal von Selz entlang der heutigen „Via dei Laghi“ Straße und dem Weg Nr. 11 vom C.A.I. orientiert. Die Brücke erlaubte es der Fernstraße „Postumia“, die aus dem Pass über dem Fluss Isonzo in Cassegliano stammte (4), nach Süd-Ost weiterzugehen, indem sie Teile des vom San Pier-Pass stammenden vorrömischen Wegs (3) nutzte. Gleichzeitig wurde die Brücke auch von dem Verkehr des entstehenden Aquileia verwendet  (Aquileia wurde im Jahr 181 v. C. gegründet). Es wurde der andere vorrömische Pass von Pieris über den Fluss Isonzo entlang der ursprünglichen Strecke (2) benutzt, der die Orte Studensi, Batteria, Dobbia, San Vito Straße, San Lorenzo Straße und Villa von Hinke durchquerte und auf der Brücke in Ronchi endete (Alte Straße von Aquileia nach Triest). Die Pässe von San Pier-Cassegliano und Pieris bestanden aus besonders festem Boden (klastische Sedimente) und diese Stabilität ist von dem vorrömischen Wegenetz bis zum heutigen Straßennetz verwendet worden. Der Straßenverkehr  dieser Pässe lief auf der römischen Brücke zusammen, er überschritt sie und setzte sich im Tal von Selz und im Karst-Joch von der Höhe 13 fort, indem er von der rechten Uferseite des „Mucilles“ Sumpfgebiets bis zu der linken Uferseite des Pietrarossa-See führte. Dieser Verkehrsfluss konvergierte mit der ursprünglichen Karst-Strecke (1), die vom vorrömischen Pass über dem Fluss Isonzo in Sagrado über Castelvecchio, Fogliano (Heilige Maria), Polazzo, Redipuglia, Vermegliano, Selz, Costalunga und Höhe 13 herunterkam und entlang der linken Uferseite des Sablicis Sumpfgebietes und des Wasserlaufes von Locovaz in Richtung der Timavo Flussquelle vorbeiführte. Außerdem war es möglich von der Strecke Nr. 1 die Karst-Pässe in den Hochtälern des Isonzo und des Vipacco zu erreichen.

Von: D. Cencig e R. Pantarotto - Kartographie: Alfio Scarpa

Übersetzung des Zeichenes: Die drei Steine mit Basreliefs, die auf dem Kopf der östlichen Brücke gefunden wurden, waren vermutlich Teil des Mausoleum Basis. Die Rekonstruktion des Fries Motivs und des Grabmals (aus G. Merlatti).

 

Übersetzung der Karte:
Konsularischer Weg Postumia
-- Vorrömisch-römisches Hauptstraßennetz
∗ Römische Siedlungen
♦ Vorgeschichtliche Befestigungsanlagen
◊ Nekropolen
Brücke C

Der konsularische Weg Postumia

• Der konsularische Weg "Via Postumia" war die erste große Straße, die die künftige römische  Region "Decima Regio Venetia et Histria" durchlief (aus L. Bosio). Die vorwiegend unbefestigte Straße war an einigen wichtigen Stellen gepflastert. Sie wurde vom römischen Senat angeordnet und im Jahr 148 v. C. vom Konsul Spurio Postumio Albino, der Namensgeber der Fernstraße, errichtet. Die Funktion dieser Verkehrsader, die an der Timavo-Mündung oder in Triest endete (A),  war es für militärische Zwecke den Golf von Genua über Tortona, Piacenza, Cremona, Verona, Vicenza, Oderzo, Pasiano di Pordenone, Casarsa-Valvasone, Codroipo, Sevegliano, Joannis, Aiello, Cavenzano-Campolongo, Villesse, Cassegliano, San Zanut und Brücke von Ronchi mit dem Golf von Triest zu verbinden. Die slowenische Stadt Postojna und ihr falsch ins Italienische übersetzter Name Postumia haben keinen Zusammenhang mit dem oben genannten konsularischen Weg.
• Zum ersten Mal setzte sich das römische Hauptwegenetz in Verbindung mit Aquileia durch eine indirekte Zubringerstraße vom Postumia-Fernweg bis zu der alten Vorstadt von „Foro Pequario“, das heißt der Viehmarkt und der damit verknüpften Aktivitäten (heute „Monastero“ genannter Standort). Der „Foro Pequario“ befand sich außerhalb des Osttors der alten römischen Stadt, wo in der Vergangenheit zahlreiche unterschiedliche Tierknochen gefunden wurden. Diese Straße führte bergab von Sevegliano nach Cervignano, Obiz und Ronchi di Terzo (DE VIA POSTVMIA IN FORVM PEQVARIVM) (E). Erst als der Großteil der westlichen Trockenlegung des Flusses Terzo vollendet war, konnte die Fernstraße „Postumia“ mit einer Geraden mit dem Nordtor der Stadt verbunden werden. Erst nach der Beendigung eines Großteils der westlichen Trockenlegung des Terzo-Flusses konnte der Postumia-Fernweg dank einer Zwischengeraden mit dem nördlichen Stadttor verbunden werden. Die Endstrecke der alten und überholten Verbindung (bestätigt von Majonica) wurde durch den Bau eines zweiten, wenig vom vorherigen Verlaufs entfernten, Straßenabschnitts vom Nordtor zur neuen Brücke über den Terzo modifiziert (VIAM QVOQVE GEMINAM A PORTA VSQVE AD PONTEM) (F). Derzeit heißt diese Straße fälschlicherweise „GIULIA AUGUSTA“. Die zwei parallel laufenden Straßenstrecken (E, F) hatten den gleichen Zweck, deswegen identifizierte die Stadt sie als Zwillingswege. Die zwei Grabsteine, die die Gemina Straße erwähnen, wurden in Aquileia und nicht auf den Straßen nach Ljubljana oder Triest gefunden.
• In den Gebieten von Villesse, San Pier, Ronchi, Monfalcone und Doberdò haben sich die Werke des Baus des konsularischen Wegs teilweise erhalten:
- in der Reorganisation des alten vorrömischen Passes auf dem Fluss Isonzo in Villesse, San Pier und San Zanut (3), der durch eine neue Strecke über Villesse, Cassegliano und San Zanut ersetzt wurde (4);
- in der Ausrichtung Süden-Osten von den alten vorrömischen Wegen der „Via Raparoni“ und „Via dei Laghi“;
- in den steinernen Funden von der Brücke in Ronchi und auf dem Weg Nr. 11 des C.A.I..     
• Besonders wichtig ist die Verbindung des konsularischen Wegs mit der ursprünglichen Kreuzung von San Zanut, die von den Straßen San Pier-Ronchi und Redipuglia-Begliano gebildet wird. Die aus Weg Nr. 1 hervorgehende Straße Redipuglia-Begliano führte vom nahen gelegenen Hügel Sant‘Elia durch einen kleinen Pass her. In der Nähe dieser Kreuzung, nördlich und nicht weit von der kleinen gleichnamigen Kirche entfernt, wurde ein römischer Brunnen, ein dem Fluss Isonzo gewidmeter kleiner Votivaltar und vermutlich der obere Teil eines seltenen vorrömischen zeremoniellen Bischofsstabs in ziseliertem Silber gefunden. Deutlich wird die Orientierung von Nordwesten nach Südosten der Postumia-Fernstraße, die auf diesem Gebiet im Wesentlichen einen vorrömischen Weg entlang dem rechten Ufer eines alten Isonzo-Hochwassers nachahmte (aus Rapar). Die Urbanistik-Straßenanordnung der künftigen ummauerten Stadt Monfalcone wurde von dieser Orientierung beeinflusst.
• Die vergrößerte militärische und wirtschaftliche Macht von Aquileia und die fortgeschrittenen Arbeiten in der westlichen Trockenlegung erlaubten es inzwischen der Stadt, durch die niedrige Küstenankunft des neuen konsularischen Wegs „Annia“ (B) mit dem römischen Hauptstraßennetz direkt verbunden zu werden. Diese aus Adria (Rovigo) kommende Straße ließ der Amtsrichter oder Konsul Tito Annio Rufo in den Jahren 131-128 v. C. errichten. Sie stellte die nach Osten natürliche Fortsetzung der Straße Popilia dar, die sich von der aus Rom kommenden Straße Flaminia in der Nähe von Rimini abzweigte. Man hält die vorhergehenden vermutlichen Küstenverbindungen mit Aquileia aus Westen deshalb für ausgeschlossen, weil es keine archäologischen und topografischen Belege gibt. (Akkreditiert dem Konsul Emilio Lepido im Jahr 175 v. C. „VIA EMILIA ALTINATE“ und dem Konsul Tito Annio Lusco, Vater von Rufo im Jahr153 v. C.). Die Ankunft des Fernwegs „Annia“ in Aquileia führte zu Veränderungen des Verkehrsflusses in der gesamten venetisch-friaulischen Zone und zum nun folgenden teilweisen Verschwinden der Endstrecke der Straße „Postumia“ Richtung der Stadt Oderzo. Insbesondere wurde viel Verkehr von diesem aus Norditalien kommenden Fernweg durch die neue Zubringerstraße Oderzo-Concordia (Portogruaro) nach Aquileia orientiert und mit dem Verkehr der Straße „Annia“, der aus Mittelitalien kam, vereint, wie das in den antiken Routen sichtbar ist (K. Peutinger-Tafel). Demzufolge nahm der Verkehr eine andere Richtung auch in der Zone von Monfalcone: er nahm auf der Straße „Postumia“ ab, die vom Pass Villesse-Cassegliano am Fluss Isonzo kam, und steigerte sich bemerkenswert auf der neuen Küstenstraße Concordia (Portogruaro)-Aquileia-Monfalcone.
• Es war eine Situation entstanden, die zu der Zeit des Kaisertums von Ottaviano Augusto (27 v. C. – 14 n. C.) zu einer Straßenneuordnung in dem Gebiet Monfalcones führte. Der Bau einer neuen Brücke (D) über den Wasserlauf Locovaz, angrenzend am Timavo- Grundwasserquellgebiet, durch die Pioniere der dreizehnten Legion Gemina (GEM XIII) wurde notwendig. Auf dieser Brücke wurde der Verkehr von zwei neuen Straßen, die im Süden das von dem Hochwasser des Flusses Isonzo verursachten Sumpfgebiets in Ronchi umliefen, zusammengeführt. Sie kamen vom Pieris-Pass  beziehungsweise von den Pässen von Turriaco und Cassegliano über die Straße „Strada Granda“ von Monfalcone her. Eine Straße rückte von der ursprünglichen Strecke Nr. 2 nach Ronchi ab, führte nahe bei den dem heiligem Proto und den heiligen Canzian gewidmeten Kirchen (römische Straße) vorbei und setzte sich Richtung Osten teilweise über die jetzigen Straßen „Via Dobbia“ in Staranzano, „Via 24 Maggio“, „Via San Giusto“ (San Nicolò Kirche), „Via Galvani“, „Via Galilei“, „Via del Popolo“, „Via Toti“ und „Via Romana“ in Monfalcone (5) fort. Die andere Straße rückte von der Straße „Postumia“ ab und führte durch Begliano, Marcelliana Portanzie und Panzano herab (6). Die zwei Straßen trafen sich oberhalb Staranzanos bei der „Freigelassene Peticias Villa“ mit seinem „BONA DEA“ gewidmeten angrenzenden Heiligtum und bildeten eine wichtige neue römische Zubringerstraße zwischen Westen und Osten, die die ursprüngliche Zubringerstraße in Ronchi ersetzte. Folglich verlor die alte Brücke in Ronchi an Bedeutung und wurde von der Brücke auf Locavaz (neue Straße nach Triest) in Bezug auf das Verkehrsaufkommen überholt. Im 18. Jahrhundert errichtete die Republik Venedig die ersten Dämme entlang dem linken Ufer des niedrig gelegenen Teils des Flusses Isonzo, dank derer man den gefürchteten Hochwassern in Richtung Ronchi ein Ende machte. Im Laufe dieser Arbeiten wurden im antiken Sand die restlichen Ruinen der alten Brücke entdeckt und sichergestellt. Auf der wichtigen ursprünglichen Verbindung des Selz-Tals, über die früher die aus Genua kommenden Postumia-Fernstraße führte, verläuft heute die aus Turin kommende Autobahn A4.

Von: D. Cencig und R. Pantarotto  

 

Übersetzung der Karte:
Das vorrömisch-römische Hauptstraßennetz auf dem heutigen Gebiet
Konsularischer Weg Postumia
-- Vorrömisch-römisches Hauptstraßennetz
∗ Römische Siedlungen
♦ Vorgeschichtliche Befestigungsanlagen
◊ Nekropolen
Brücke C
Brücke D